Der Organspendeausweis ist klein und unscheinbar, zugleich aber auch ein Schlüssel zu großen Fragen nach Leben, Tod, Solidarität und Selbstbestimmung. Annerose Böhrer folgt ihm durch Kliniken, Behörden, Kampagnen sowie private Lebenswelten und zeigt, wie er gestaltet, verteilt, aufbewahrt oder ignoriert wird. Aus praxistheoretischer Perspektive legt sie dar, wie der Ausweis als materielle Metapher komplexe ethische Entscheidungen in handhabbare Gesten übersetzt - ein interdisziplinärer Blick, der Transplantationsmedizin, Alltagspraktiken und politische Debatten neu miteinander verknüpft.
Der Erste Weltkrieg steht paradigmatisch für die Mobilmachung der Körper durch Prothetik. Dabei ging es zunächst um die Entwicklung von Ersatzteilen, mit denen körperliche Nachteile kompensiert werden konnten. Heute bietet die Digitalisierung und Miniaturisierung der Technik jedoch weitere Möglichkeiten zur prothetischen Verbesserung.
Die Beiträge des Bandes widmen sich dem Funktionswandel der modernen Prothetik und den gesellschaftlichen Erwartungen an die Optimierung der Körper durch >Anthropofakte<. Sie diskutieren alte und neue Prothesenvisionen und fragen: Machen die technischen Erweiterungen den Menschen zwangsläufig zum Superhelden? Und welche Bedeutung haben diese Entwicklungen für unser Selbstverständnis?