Als sich der 22-jährige Student Heinz-Klaus Metzger im Februar 1954 brieflich an Theodor W. Adorno wandte, war nicht absehbar, dass er sich binnen weniger Jahre zum wichtigsten Theoretiker des seriellen Komponierens und der Darmstädter Schule um Pierre Boulez und Karlheinz Stockhausen entwickeln würde. Aber schon bald forderte Metzger den 30 Jahre älteren Philosophen in seinem Aufsatz »Das Altern der Philosophie der neuen Musik« polemisch heraus und wurde dessen wichtigster Verbindungsmann zu den neuen Stars der musikalischen Avantgarde.
Sorgfältig ediert, ausführlich kommentiert und ergänzt durch einschlägige Schlüsseltexte beider Autoren, bietet ihr Briefwechsel einen besonderen Einblick in musikalische Diskurse der Nachkriegszeit. Deutlich wird an diesem hochintensiven Austausch zudem, wie sehr sich Adorno in seinen letzten 15 Lebensjahren auf Heinz-Klaus Metzger verließ, wenn es um Tendenzen der jüngsten Musik ging. Auch wenn Adorno immer wieder andere Akzente setzte, vertraute er auf Metzgers Urteil. Dessen Einfluss auf das Musikdenken des späten Adorno kann daher kaum überschätzt werden.