Vom Mittelalter sind nur Überreste geblieben. Sie verkörpern eine Epoche, die in
Neuzeit und Moderne vielfältige historische, politische und kulturelle
Bedeutungszuweisungen erfahren hat, an denen neben Texten auch Bilder beteiligt
waren. Daran waren neben Texten auch Bilder beteiligt. Materielle Relikte vom
Schwertknauf bis zur Kathedrale stehen uns in visuellen Repräsentationen der
Graphik, Photographie oder Buchillustration vor Augen. Durch die
Transformationsprozesse gezielter künstlerischer Aneignung und medialer Übertragung
nehmen dort nicht nur die Überreste selbst, sondern auch die Sicht- und
Verständnisweisen Gestalt an, denen die Vergangenheit unterliegt. Diesem
Zusammenhang spürt das Buch am Beispiel Frankreichs von der Druckgraphik des
ausgehenden 16. Jahrhunderts bis zur Computersimulation des beginnenden 21. Jahrhunderts nach. Es entwirft eine visuelle Gedächtnisgeschichte des Mittelalters
an der Schnittstelle von Kunstgeschichte und Geschichtswissenschaft.