Wir lernten, dass jegliches seine Bedeutung haben müsse, sinnfällig und brauchbar für unser Leben zu sein hätte. Das Belanglose, Nichtige, Törichte lernten wir nicht. In dieser überlauten Welt wimmelnder Bedeutungsjunkies, die uns bisweilen bis in den Schlaf hinein verfolgt, wünsche ich mir oft, die Sprache möge verstummen, austrocknen, sie möge die Leere einer Musik-Note erlangen, wie Roland Barthes das vom Geplapper der Seelen befreite Haiku beschreibt.
Das Haiku möchte zweimal gesprochen werden, und in der Wiederholung wie ein Echo verklingen und verschwinden. Ein kurzes Ereignis, das in einem Zuge seine richtige Form findet, gleich einer mattleuchtenden Schneeflocke oder einer Taumeltraube, einen Windhauch lang, unfassbar.
Ob Friedrich Hölderlin, als er sein berühmtes Gedicht Hälfte des Lebens schuf, daran dachte, dass die letzten drei Zeilen ein geniales Haiku bilden?
Die Mauern stehen
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen