In "Die Frau in der Kulturgeschichte" entwirft Otto Henne am Rhyn einen weit ausgreifenden historischen Überblick über die Stellung der Frau in verschiedenen Epochen und Gesellschaftsordnungen. Das Werk verbindet kulturgeschichtliche Darstellung mit moralischer und sozialer Reflexion: Es untersucht Bildung, Recht, Ehe, Familie, Religion, Arbeit und öffentliche Wirksamkeit und macht sichtbar, wie sehr weibliche Lebensmöglichkeiten von politischen Institutionen und kulturellen Leitbildern abhängen. Stilistisch folgt die Darstellung dem enzyklopädischen, volkstümlich aufklärerischen Ton des 19. Jahrhunderts; Beispiele aus Geschichte, Literatur und Alltagsleben veranschaulichen die Entwicklung, während die vergleichende Perspektive das Buch in den Kontext der bürgerlichen Kultur- und Fortschrittsgeschichte einordnet. Henne am Rhyn, ein schweizerischer Historiker, Schriftsteller und Pädagoge, widmete sich wiederholt der allgemeinverständlichen Vermittlung historischer Zusammenhänge. Sein Interesse an gesellschaftlicher Entwicklung, Bildung und sittlichem Fortschritt prägt auch dieses Buch. Es entstand in einer Zeit, in der die sogenannte Frauenfrage durch Bildungsreformen, Industrialisierung und erste organisierte Emanzipationsbewegungen zunehmend an Bedeutung gewann. Henne am Rhyn verarbeitet diese Spannungen aus der Perspektive seiner Epoche und macht dadurch zugleich deren Hoffnungen und Begrenzungen sichtbar. Leserinnen und Leser erhalten somit nicht nur eine historische Übersicht, sondern auch ein aufschlussreiches Dokument des 19. Jahrhunderts. Das Buch empfiehlt sich allen, die die kulturelle Konstruktion von Geschlechterrollen, die Geschichte weiblicher Handlungsspielräume und die Entstehung moderner Debatten über Gleichberechtigung in ihrer langfristigen Entwicklung verstehen möchten.