Wie entwickelte Sebastian Castellio seine zukunftsträchtigen Toleranzideen - zu einer Zeit, als Muslime und Juden verteufelt und dissidente Christen als «Ketzer» vertrieben und hingerichtet wurden? Dieser Frage geht Christine Christ-von Wedel mit einem ungewöhnlichen Zugang nach: Mit Blick auf die Skulpturenkunst des Basler Münsters beleuchtet sie die mittelalterliche Tradition, in der der begabte Bauernsohn Castellio aufwuchs. Eingängig erörtert die Autorin die philosophisch-theologischen Hintergründe von Castellios toleranter Lebenshaltung, die er anders als Luther und Calvin auch durchhielt, nachdem ihm und seinem Umfeld sein Ruf zu Gewissens- und Religionsfreiheit und zu einem menschlichen Umgang nichts nützte. Sogar, als sie ihn persönlich in Gefahr brachte, selbst als «Ketzer» zu enden, blieb er bei seiner Haltung.